Hinter den BMW-Automobilen, die durch die Straßen Münchens fahren, steht die Geschichte einer der reichsten und verschlossensten Familien der Welt. Die Familie Quandt ist im Besitz des Mehrheitspakets des deutschen Automobilriesen. Zudem handelt es sich um eine echte Dynastie, die einen dornigen Weg zum Reichtum durch die industrielle Revolution, die Zeit des Dritten Reiches und den Zweiten Weltkrieg zurückgelegt hat. Die Eigentümer gingen riskante Investitionen ein, um das Unternehmen vor dem Konkurs und der Übernahme durch Mercedes-Benz zu retten.
Mehr über die Geschichte der Familie, die ein Imperium im Wert von Dutzenden Milliarden Euro aufgebaut hat, berichtet munichski.eu. Es lohnt sich auch zu betrachten, warum diese Dynastie seit Jahrzehnten die Öffentlichkeit meidet und wie Stefan Quandt und Susanne Klatten die Zukunft der Mobilität steuern.
Die Anfänge des Kapitals: Von Textilien zu Batterien
Emil Quandt war Textilfabrikant und ermöglichte seinem Sohn Günther eine Ausbildung in der Textilindustrie. Später trat dieser in das Unternehmen seines Vaters ein, und bereits 1909 leitete Günther Quandt mehrere Tuchfabriken in Pritzwalk.
Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Günther Quandt zum Leiter der Reichswolle AG ernannt, und seine Unternehmensgruppe belieferte die Armee mit Textilien und Leder. Nach Kriegsende war er bis 1922 als Berater im Reichswirtschaftsministerium tätig. In dieser Zeit knüpfte er zahlreiche nützliche Kontakte, die er geschickt zu nutzen wusste.
Günther Quandt erlangte 1922 die Kontrolle über die AFA (später bekannt als VARTA). Dies machte ihn zu einem Schlüsselieferanten für Energiespeicher in Industrie und Verkehr. Danach reorganisierte er die legendäre Mauserwerke AG und übernahm 1928 die Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken (DWM). Trotz offizieller Rüstungsbeschränkungen in jener Zeit gelang es ihm, Produktionskapazitäten unter Tarnnamen zu erhalten. Parallel zur Metallurgie und Waffenbranche investierte Günther in die Kaliindustrie und das Versicherungswesen und schuf so ein krisenfestes Geschäftsmodell.
Diese Schritte verwandelten die Familie von regionalen Textilherstellern in die größten Industriemagnaten Deutschlands, deren Unternehmen später für die Kriegsmaschinerie des Dritten Reiches von entscheidender Bedeutung wurden.

Dunkle Seiten des Zweiten Weltkriegs
Die Erfolgsgeschichte der Dynastie hat eine Kehrseite, über die die Familie jahrzehntelang lieber nicht sprach. In der Zeit von 1933 bis 1945 waren Günther Quandt und sein Sohn Herbert tief in die Wirtschaft des nationalsozialistischen Deutschlands integriert.
Die Unternehmen der Quandts waren für die Kriegsanstrengungen von kritischer Bedeutung. VARTA (AFA) lieferte Batterien für U-Boote und V2-Raketen. DWM (Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken) produzierte massenhaft Patronen, Mauser-Karabiner und Luger-Pistolen. Günther Quandt erhielt den Titel Wehrwirtschaftsführer, was seinen Status als wichtiger Industrieller des Regimes bestätigte.
Der schwerwiegendste Aspekt dieser Zeit war die Nutzung von Zwangsarbeit. In den Werken der Quandts arbeiteten Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Auf dem Gelände einiger Fabriken (zum Beispiel in Hannover) bestanden Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme, in denen katastrophale Arbeitsbedingungen herrschten.

Das Schweigen der Quandts
Lange Zeit mied die Familie öffentliche Diskussionen über diese Vergangenheit. Alles änderte sich 2007 nach der Veröffentlichung des Dokumentarfilms „Das Schweigen der Quandts“ von Eric Friedler, der Opfer zu Wort kommen lässt und die Frage stellt:
„Warum schweigen die Quandts?“
Der Film löste eine enorme Resonanz aus und warf der Dynastie vor, ihre Rolle bei den Verbrechen des Nationalsozialismus nicht anerkennen zu wollen. Zunächst bestritt Sven Quandt jegliche Beteiligung der Familie und betonte, dass er zur Zeit der deutschen Diktatur nicht gelebt habe. Die Situation erregte immer mehr Aufsehen, weshalb die Familie ihre Strategie änderte. Sie gaben eine unabhängige Untersuchung beim Historiker Joachim Scholtyseck in Auftrag. Das Ergebnis war ein 1200-seitiges Buch, das bestätigte, dass die Quandts ein integraler Bestandteil des NS-Systems waren. Heute erkennt die Familie diese Fakten offen an und unterstützt Gedenkprojekte. Seit Ende der 1990er Jahre ist BMW einer der Gründer der Stiftung EVZ – Erinnerung, Verantwortung, Zukunft. Dies ist eine Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft, die Entschädigungen an Zwangsarbeiter in einer Gesamthöhe von 5,2 Milliarden Euro ausgezahlt hat und in Projekte investiert, um die Erinnerung an das ihnen zugefügte Unrecht für künftige Generationen zu bewahren. Zudem leistet die Familie seit 2002 regelmäßig Spenden an die Christlich Demokratische Union Deutschlands.
Der Rettungsring für BMW im Jahr 1959
Günther Quandt bereitete Herbert und seinen Stiefbruder Harald darauf vor, seine Nachfolger zu werden. Am 30. Dezember 1954 starb Günther, und sein Kapital wurde zu gleichen Teilen zwischen den beiden Söhnen aufgeteilt. Sie schufen leitende Geschäftsbereiche: Herbert war für die Bereiche Elektrotechnik, Automobil, Öl und Gas sowie Textilien zuständig, während Harald den Maschinenbau, die Herstellung von Halbzeugen aus Leicht- und Schwermetallen sowie andere Arten der Metallverarbeitung kontrollierte.
Herbert Quandt wird mit der Umstrukturierung der Bayerischen Motoren Werke (BMW) in München in Verbindung gebracht. Durch seine Handlungen stand BMW kurz vor dem Verkauf an den Konkurrenten Daimler-Benz. Dies wurde von den Arbeitnehmern und Kleinaktionären verhindert. Beeindruckt vom Kampfgeist der Mitarbeiter stellte Herbert Quandt das Vertrauen der Banken in das Unternehmen wieder her.
Sein Sohn, Sven Quandt, wurde mit 23 Jahren Mitglied des Aufsichtsrats der Firma VARTA. Bemerkenswert ist, dass die dritte Ehefrau von Herbert Quandt, Johanna, zusammen mit ihrer Tochter Susanne Klatten und ihrem Sohn Stefan 46,7 % der BMW-Aktien besaß. Ein Teil des Familienvermögens ist in der Johanna-Quandt-Stiftung untergebracht, die sich auf die Förderung von Wirtschaft und Medien spezialisiert hat.
Im Jahr 1982 erbten Johanna Quandt und ihre Kinder das Vermögen von Herbert Quandt, einschließlich der Anteile an der BMW AG. Stefan Quandt und Susanne Klatten sind das reichste Geschwisterpaar in Deutschland.

FAQ: Häufig gestellte Fragen über die BMW-Eigentümer
- Wer besitzt BMW? Die Haupteigentümer des BMW-Konzerns sind die Erben des Industriellen Herbert Quandt — seine Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten. Die restlichen Aktien (ca. 53 %) befinden sich im Streubesitz an der Börse bei institutionellen und privaten Investoren.
- Wie viele BMW-Aktien gehören der Familie Quandt? Die Familie Quandt kontrolliert etwa 46,8 % der Aktien des Unternehmens. Insbesondere gehören Stefan Quandt etwa 25,8 % und seiner Schwester Susanne Klatten etwa 21 %. Dieses Paket ermöglicht es der Familie, Vetos gegen strategische Entscheidungen einzulegen und den Kurs der Markenentwicklung vollständig zu kontrollieren.
- Wer ist die reichste Frau Deutschlands? Die reichste Frau Deutschlands ist Susanne Klatten (Tochter von Herbert Quandt). Neben ihrem bedeutenden Anteil an BMW besitzt sie den Chemiekonzern Altana und hält Beteiligungen an weiteren Technologieunternehmen. Ihr Vermögen wird auf Dutzende Milliarden Euro geschätzt.
- Warum meidet die Familie Quandt seit Jahrzehnten die Öffentlichkeit? Die Familie verfolgt eine Strategie des diskreten Reichtums. Die Hauptgründe sind der Wunsch nach Privatsphäre nach tragischen Ereignissen (Entführungsversuch von Susanne im Jahr 1978), ethische Fragen zur Vergangenheit der Dynastie während des Zweiten Weltkriegs und die Überzeugung, dass echter Einfluss Stille und keine lauten Schlagzeilen erfordert.

Geschichte der Familie Quandt
Ihre Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie die strategische Vision eines Menschen den Lauf einer ganzen Branche verändern kann. Mitte des 20. Jahrhunderts gelang es der Familie Quandt, BMW vor dem Verschwinden zu retten. Danach schufen sie den Standard für deutsche Qualität, einen echten Maßstab für die ganze Welt. Die dritte Generation der Erben ist nun bestrebt, das Steuer in Zeiten globaler Veränderungen festzuhalten. Trotz der Herausforderungen durch Elektromobilität und Digitalisierung bleibt die Dynastie Quandt standhaft.
