Man sagte über sie, dass sie selbstvergessen einen Mörder und Tyrannen liebte. Man sagte über sie, dass sie anspruchslos und sanft war. Doch wer war die Frau wirklich, die ihr Herz und ihr Schicksal Adolf Hitler widmete? Heute sprechen wir über Eva Braun. Mehr dazu auf munichski.eu.
Ein vielversprechendes Mädchen

Sie wurde 1912 in München geboren. Ihr Vater war ein despotischer Mann, der sich einen Sohn wünschte. Er arbeitete als Lehrer. Die Mutter war eine gehorsame Frau, die sich um den Haushalt, die Kinder und ihren Ehemann kümmerte. Die Eltern erzogen ihre drei Töchter mit Strenge. Besondere Zuneigung erfuhren sie nicht. Sie wurden auf die traditionelle Rolle der deutschen Frauen jener Zeit vorbereitet: Kinder, Küche, Kirche.
Trotz der konservativen Ansichten, die für diese Zeit typisch waren, erhielt Eva Braun eine ausgezeichnete Ausbildung. Zunächst besuchte sie die Grundschule eines Klosters. Später trat sie ins Münchner Lyzeum ein. Danach gelangte sie in die „Schmiede der zukünftigen Ehefrauen“ in Simbach. Dort erlernte sie Maschinenschreiben, Haushaltsführung und Buchhaltung und sprach fließend Französisch. Mit siebzehn Jahren kehrte sie in ihre Heimatstadt München zurück. Die Eltern halfen ihr, eine Arbeitsstelle zu finden. Bald darauf arbeitete sie in einem Fotostudio des bekannten Fotografen und Verlegers Heinrich Hoffmann. Er war Nazi und ein enger Freund Hitlers.
Fasziniert vom Tyrannen

Eva träumte von einer romantischen Liebe, die ein Leben lang halten sollte. Doch das Schicksal schickte ihr keinen jungen Prinzen, sondern einen reifen, strengen Mann. Er besaß alles, was in ihrem jungen Herzen Widerhall fand. Adolf Hitler war selbstbewusst und wusste, was er wollte. Als er das Fotostudio Hoffmanns besuchte, sah er die junge Frau. Auch sie interessierte sich sofort für ihn. Sie spürte, dass er kein gewöhnlicher Bürger war. Doch sie hatte keine Ahnung von Politik und wusste nichts über seine Vergangenheit. Die Liebe ergriff sie plötzlich und heftig. Sie hinterfragte nichts, analysierte nichts. Sie wollte diesen Mann.
Hitlers Biografie ist voller Episoden, die seine seltsame Fähigkeit zeigen, Menschen zu bezaubern. Dieser Magnetismus war zu stark. Wer ihm verfiel, begann, die Welt mit Hitlers Augen zu sehen. Man erinnere sich an die bekannte deutsche Filmemacherin Leni Riefenstahl. Sie behauptete einst, es gäbe keinen besseren Menschen als Hitler. Später versuchte sie, sich zu rechtfertigen, konnte aber ihre damalige Faszination nicht ganz erklären.
Hunderttausende Briefe trafen aus ganz Deutschland bei Hitler ein. Frauen aller Altersklassen bekannten ihm ihre Liebe und Treue. Einige baten ihn sogar, sie zu schwängern. Die Hysterie um Hitlers Person wuchs.
Die naive, unerfahrene und romantische Eva verfiel ihm sofort. Adolf war damals vierzig Jahre alt. Er machte ihr charmante Komplimente und war ritterlich zu ihr. Es gefiel ihm, wie sehr sie ihn verehrte. Ihr Typ entsprach ihm vollkommen: groß, schlank, mit einem hübschen Gesicht. Doch er hielt sie für einfältig. Laut Hoffmann war Hitlers Geliebte absolut unpolitisch, naiv und wenig intelligent – genau diese Eigenschaften gefielen dem Führer der Nazis.
Hitler soll einmal gesagt haben: „Ein kluger Mann muss sich eine dumme, primitive Frau suchen.“
Aus seiner Biografie wissen wir, dass er sich von starken und eigenständigen Frauen fernhielt. Vielleicht fürchtete er, dass sie seine Karriere beeinflussen könnten. Eva hingegen wollte nichts als ihn lieben und ihr Leben dem berüchtigsten Diktator des 20. Jahrhunderts widmen.
Liebe um jeden Preis

Mehr als alles andere wünschte sich Eva, seine Frau zu werden. Doch Hitler zögerte. Politische Fragen löste er entschlossen und schnell. In Liebesdingen war es anders.
Anfangs war ihre Beziehung zärtlich. Sie spazierten, unterhielten sich. Doch sein Herz gehörte einer anderen. Er war in seine Nichte Geli Raubal verliebt. Laut einigen Historikern war sie seine einzige Liebe – eine verbotene und tragische Liebe.
Eva wusste, dass Geli mit ihm lebte. Er verbrachte Abende mit ihr. Zwei Jahre lang versuchte Eva, ihm zu beweisen, dass nur sie seine Liebe verdiente. Dann starb Geli. War es Selbstmord oder hatte Hitler sie ermordet? Das bleibt ungeklärt. Danach begann ein neuer Abschnitt in der Beziehung zwischen Braun und Hitler.
Hitler fühlte sich als Herr der Lage. Manchmal war er liebevoll, dann ließ er sie monatelang allein. Sie litt unter den Gerüchten über seine Affären.
Der Hitler-Biograf Thomas Lundmark vermutete, dass es zwischen Hitler und Eva keine körperliche Beziehung gab. Er begründete dies mit angeblichen angeborenen Fehlbildungen. Auch Evas Mutter erwähnte diese in einem Interview.
Eva, die streng in einer konservativen Familie erzogen wurde, litt unter ihrer unklaren Rolle. War sie eine Geliebte, eine Gefährtin, eine Mätresse? Aber keine Ehefrau. Dennoch blieb sie ihm treu.
Doch sie konnte seine Kälte nicht ertragen. Zweimal versuchte sie, sich das Leben zu nehmen – 1932 mit einer Pistole ihres Vaters, 1935 mit Gift.
Hitlers Ehefrau

Am Ende bekam sie doch, was sie wollte. Aber anders als erhofft…
Hitler überprüfte sorgfältig ihren Stammbaum auf jüdische Vorfahren. Als er sicher war, dass sie eine „reine Arierin“ war, kaufte er ihr und ihrer Schwester ein Haus und versorgte sie finanziell. Sie lebte in Wohlstand. Ihre Eltern akzeptierten die Beziehung.
Im Jahr 1944, als die militärische Lage sich verschlechterte, verbot Hitler ihr die Reise nach Berlin. Sie kam dennoch. Sie wusste, dass sie in den Tod ging.
Hitler war gerührt von ihrer Loyalität. Endlich machte er ihr den Heiratsantrag, nach dem sie sich sehnte. Die Hochzeit fand im Bunker statt. Es war keine romantische Feier. Hitler wünschte, dass sie Schwarz trug.
Am nächsten Tag begingen sie Selbstmord. Eva nahm Gift, um mit Hitler in der Ewigkeit vereint zu sein.
Die Welt erinnert sich an Hitler als einen Massenmörder. Doch für eine Frau war er ihr Universum.