Im Jahr 1810 wurden zu Ehren der Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Ludwig (1786–1868) und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen (1792–1854) Pferderennen veranstaltet. Genau dieses Ereignis legte den Grundstein für die jährliche Feier, die seitdem auf der Theresienwiese – unweit des Münchner Stadtzentrums – stattfindet und heute als Oktoberfest bekannt ist. Bereits ab 1819 übernahm die Stadtverwaltung die Organisation des Festes. Parallel zur Hauptveranstaltung findet in regelmäßigen Abständen auch das Zentrallandwirtschaftsfest (ZLF) statt, das vom Bayerischen Bauernverband organisiert wird. Besonders große internationale Anerkennung erlangte die Veranstaltung nach den 1950er Jahren. Trotz des Bombenanschlags von 1980 und der verschärften Sicherheitsmaßnahmen nach den Ereignissen des 11. September 2001 bleibt die Besucherzahl des Festes stabil hoch. Mehr dazu auf munichski.eu.
Die Anfänge und die Entwicklung des Oktoberfests
Die Geschichte des Oktoberfests beginnt mit den Pferderennen, die die Münchner Nationalgarde am 17. Oktober 1810 anlässlich der Heirat des bayerischen Kronprinzen Ludwig mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen veranstaltete. Die Veranstaltung löste bei den Einwohnern außerordentliche Begeisterung aus, sodass der Major der Garde, Andreas von Dall’Armi (1765–1842), sich kurz nach den Rennen an den königlichen Hof wandte mit der Initiative, das Fest zu wiederholen. König Maximilian I. Joseph (1756–1825, Kurfürst ab 1799, König ab 1806) billigte diese Idee, weshalb die Feier bereits ab 1811 zur jährlichen Tradition wurde. Bis zum Sturz der bayerischen Monarchie (1918) fand sie unter Beteiligung von Mitgliedern der königlichen Familie statt.

Im städtischen Umfeld gewann das Fest ab 1921 zunehmend an Bedeutung für die Wirtschaft und den Tourismus, und ab den 1950er Jahren wurde es weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Die damals gestarteten Werbekampagnen verbreiteten sich in den 1960er Jahren sogar bis in die USA – maßgeblich dank amerikanischer Soldaten, die nach dem Krieg gerne die Veranstaltung besuchten. Heute wird das Festival weltweit über moderne Medien beworben. Das größte Volksfest der Welt hat durch die Globalisierung noch mehr an Einfluss gewonnen. Trotz seines internationalen Ausmaßes bleibt das Oktoberfest ein wichtiger Teil der lokalen Kultur. In seiner über zweihundertjährigen Geschichte wurde das Fest nur 24 Mal abgesagt – aufgrund von Kriegen und Epidemieausbrüchen.
Die Landwirtschaft als Teil des Festivals
In der Zeit von 1811 bis 1818 trat der Landwirtschaftliche Verein in Bayern als Organisator des Oktoberfests auf und verband die Feierlichkeiten mit Pferderennen und einem Viehmarkt – dem sogenannten Landwirtschaftsfest (ZLF). Die Finanzierung der Veranstaltung wurde teilweise sowohl von der Staatskasse als auch von den Bürgern Münchens getragen. Durch die „Viehausstellung mit Handel“ sollte die wichtige Rolle des Agrarsektors in der bayerischen Wirtschaft unterstrichen und die Entwicklung der Landwirtschaft in der Region gefördert werden.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Bedeutung des ZLF allmählich zu sinken. Nach einer langen Pause zwischen 1914 und 1925 wurde das Fest nur zweimal abgehalten – 1927 und 1933, auf Initiative der Landwirtschaftskammer. Ab 1949 nahm der Bayerische Bauernverband (BBV) die Durchführung des ZLF alle zwei Jahre wieder auf, doch mit der abnehmenden Bedeutung des Agrarsektors in Bayern (1975) wurde es alle drei Jahre und seit 1996 alle vier Jahre veranstaltet.

Das Oktoberfest als Instrument nationaler Einheit
Als Bayern 1806 zum Königreich wurde, erweiterte es sein Territorium erheblich – insbesondere durch säkularisierte und mediatisierte Gebiete in Franken und Schwaben. In den neu angegliederten Regionen war die Loyalität gegenüber der herrschenden Wittelsbacher-Dynastie nicht eindeutig. Um das Einheitsgefühl des neu geschaffenen Königreichs zu stärken, wurde ab 1810 das Oktoberfest als Mittel zur Popularisierung der dynastischen Idee und zur Konsolidierung der Bevölkerung abgehalten. Auf der Welle der Begeisterung erhielt der Festplatz auf Vorschlag der Bürgerwehr den Namen zu Ehren der Kronprinzessin – „Theresienwiese“. Für die Münchner erwies sich dieser Name als zu lang, weshalb sie ihn bis heute kurz „Wiesn“ nennen – genau in dieser Form ist das Wort seit den 1890er Jahren belegt.
Das letzte Mal fand das Fest 1913 unter königlicher Schirmherrschaft statt. Bereits am 1. August 1914 erklärte Deutschland dem Russischen Reich den Krieg, weshalb das Oktoberfest während der Kriegsjahre logischerweise nicht stattfand. Später, in den Jahren 1919 und 1920, wurden nur bescheidene „Herbstfeste“ veranstaltet, danach wurde die Organisation des Festivals wieder aufgenommen.
Die Oide Wiesn und eine neue Ära des Oktoberfests
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Oktoberfest im Format kaum verändert, aber sein Publikum hat sich erheblich erneuert – das Festival zieht immer mehr junge Leute an. Zum 200-jährigen Jubiläum des Festes wurde die „Historische Wiesn“ (Oide Wiesn) veranstaltet – ein separater Bereich mit Pferderennen, historischen Fahrgeschäften, einem Museumszelt, Festzelten mit Speisen und Getränken, einer Bühne für Mini-Ausstellungen und einem Tanzpavillon. Die Veranstaltung wurde von 500.000 Gästen besucht, und aufgrund des großen Erfolgs beschloss der Stadtrat, die Oide Wiesn jährlich durchzuführen, jedoch nicht, wenn das Zentrallandwirtschaftsfest (ZLF) stattfindet. Insgesamt ist das Fest seit den fünfziger Jahren zu einer globalen Marke geworden, die vor allem mit Bier, bayerischer Tracht und traditioneller Musik assoziiert wird, während die Pferderennen als Teil des Programms nur noch symbolisch erhalten sind. Trotz der Globalisierung hat das Festival nicht an Popularität verloren – die Bierzelte sind oft überfüllt, und jedes Jahr geben die Gäste auf der Veranstaltung und in der Stadt insgesamt über 1,1 Milliarden Euro aus, davon rund 340 Millionen direkt auf dem Oktoberfest.
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