Karl Valentin war ein herausragender deutscher Komiker, Schriftsteller, Filmproduzent und Volkssänger. Sein Talent erstreckte sich auf viele Bereiche, und sein Humor beeinflusste zahlreiche Künstler. Seine Auftritte wurden in Zitaten festgehalten und sind bis heute unvergessen. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf das Leben dieses außergewöhnlichen Komikers aus München. Mehr auf munichski.eu.
Ein Leben voller Höhen und Tiefen

Karl Valentin wurde in München geboren und wuchs dort auf. Sein eigentlicher Name war Valentin Ludwig Fey. Die Grundschule mochte er nicht und bezeichnete sie später als „Gefängnis“. Nach der Schulzeit absolvierte er eine Ausbildung als Schreiner und arbeitete bis 1901 in diesem Beruf, während er gleichzeitig als Club-Komiker auftrat.
1902 hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt als Karl Valentin in Nürnberg. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Firma „Falk & Fey“, die jedoch 1906 bankrottging. Daraufhin zog er mit seiner Mutter nach Zittau.
1908 kehrte Karl nach München zurück und schrieb seinen ersten bekannten Monolog „Aquarium“. Er trat verstärkt als Volkssänger auf, was ihm half, seine finanziellen Probleme zu überwinden. In dieser Zeit entwickelte er seine groteske Körpersprache und Selbstironie weiter. 1911 lernte er Elisabeth Wellano kennen, mit der er später häufig auftrat.
Filmkarriere und Kriegszeit

Ab 1912 begann Karl Valentin, intensiv im Filmgeschäft tätig zu werden. Er spielte in rund 40 Kurzfilmen mit, oft basierend auf seinen eigenen Sketchen.
Aufgrund seiner Asthmaerkrankung war er während des Ersten Weltkriegs nicht wehrpflichtig. In dieser Zeit schrieb er Kriegslieder und Szenenstücke. 1915 wurde er Direktor eines Kabaretts in München.
1931 eröffnete er das Theater „Goethe-Saal“, das jedoch nach nur zwei Monaten schließen musste. In den Jahren 1932 und 1933 spielte er den Zirkusdirektor in seinem ersten Tonfilm „Die verkaufte Braut“, einer Verfilmung der Oper von Bedřich Smetana.
Die späten Jahre und sein tragisches Ende
Von 1941 bis 1947 trat Karl Valentin nicht öffentlich auf. In dieser Zeit schrieb er Texte und Gedichte, ohne sie jemals zu veröffentlichen. 1941 zog seine Familie ins Münchner Umland, da ihre Wohnung in der Stadt durch Bomben zerstört worden war. Die Nachkriegszeit war für ihn besonders schwer. 1945 begann er, Haushaltsgegenstände herzustellen, um seine Familie zu ernähren.
1947 versuchte er, wieder auf die Bühne zurückzukehren, doch der Erfolg blieb aus. Er litt unter Mangelernährung und starb 1948 an einer Lungenentzündung. Nach einem Auftritt wurde er versehentlich in einer Kabarett-Garderobe eingesperrt und musste in der kalten Nacht dort schlafen, was zu seiner Erkrankung führte.
Zwei Tage nach seinem Tod wurde er beerdigt. Bei der Zeremonie waren nur ein Priester, ein Vertreter eines Fotostudios und ein Mitglied der Internationalen Künstlerloge anwesend – sonst niemand. Karl Valentin war schon lange vor seinem Tod in Vergessenheit geraten. Heute jedoch kennt ihn jeder Deutsche. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Planegg bei München.
Der Humor von Karl Valentin
Karl Valentin war ein echter Dadaist. Der Dadaismus war eine avantgardistische Kunstrichtung, die Logik und Vernunft ablehnte und sich von ästhetischen Normen distanzierte. Sie entstand während des Ersten Weltkriegs als Ausdruck der Enttäuschung über die Welt, suchte aber dennoch immer nach Hoffnung.
Valentin hörte seinen Mitmenschen genau zu, nahm ihre Worte wörtlich und zerlegte sie in ihre Einzelteile. Er entlarvte alltägliche Absurditäten und wurde so zum Philosophen des deutschen Alltags. Gerade in schwierigen Zeiten war sein Humor eine Form der Rettung.
Karl Valentin und die Politik
Sein Verhältnis zum NS-Regime war ambivalent. Einerseits verdiente er während des Zweiten Weltkriegs Geld als Autor für eine Propagandazeitung. Andererseits ließ er sich von den Nationalsozialisten nicht vereinnahmen und schuf weiterhin satirische Figuren, auch zum Thema Krieg. 1941 schrieb er sogar eine satirische Rede im Stil einer Hitler-Rede.
2007 veröffentlichte das Magazin „Der Spiegel“ einen Artikel, in dem behauptet wurde, Valentin habe den deutschen Regisseur Walter Jerven denunziert und dessen vermeintlich jüdische Herkunft thematisiert. Jerven konnte jedoch innerhalb von vier Tagen nachweisen, dass er arischer Abstammung war.
Privatleben
1911 heiratete Karl Valentin die Hausangestellte seiner Eltern, Gisela Royes. Das Paar hatte zwei Töchter: Gisela und Berta.
1939 verliebte er sich in die Schauspielerin Annemarie Fischer, die 35 Jahre jünger war als er. Sie trat als Ersatz für Elisabeth Wellano auf. Mit ihr bestritt er 1940 seinen letzten großen Auftritt im Deutschen Theater.
München erinnert sich

Die Stadt München bewahrt das Erbe ihres berühmten Humoristen. 1958 wurde das Karl-Valentin-Museum eröffnet – ein wunderbarer Ort, auch wenn die Räumlichkeiten beengt sind. Zum 75. Todestag Valentins wurde 2023 eine Sonderausstellung mit dem Titel „Krautwurst & Weißwickel“ in die Dauerausstellung integriert, gestaltet von Design-Studenten.
1953 wurde in München eine Brunnenstatue zu Ehren Valentins enthüllt. An der Zeppelinstraße 41 erinnert eine Gedenktafel an seinen Geburtsort, und im Stadtteil Forstenried gibt es sogar eine Straße, die seinen Namen trägt.
Karl Valentin war ein Licht in den dunklen Zeiten der deutschen Geschichte. Er wird oft als „der münchnerischste aller Münchner“ bezeichnet. Ein einzigartiger Mensch mit festen Prinzipien, starkem Charakter und einem außergewöhnlichen Talent.