Philipp Bouhler wurde 1899 in München als Sohn eines pensionierten Offiziers geboren. Er zählt zu den berüchtigtsten NS-Verbrechern der Geschichte. Mehr auf munichski.eu.
Militärkarriere
Philipp erhielt eine erstklassige Ausbildung – möglicherweise beeinflusst von seinem Vater. 1912 wurde er Kadett und vier Jahre später zum Fähnrich befördert. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er mit nur 17 Jahren eingezogen.
Sein Werdegang ähnelt dem vieler hochrangiger Nationalsozialisten. Wie viele andere erlebte er den Krieg aus nächster Nähe, sammelte militärische Erfahrung und war tief enttäuscht über die Niederlage Deutschlands. Dies machte ihn empfänglich für den Gedanken an Vergeltung – eine Erzählung, die die NSDAP für sich zu nutzen wusste. Doch im Gegensatz zu Heinrich Himmler, der nie aktiv an den Kämpfen teilnahm, erlebte Bouhler den Krieg direkt. Er diente im 1. Bayerischen Artillerie-Regiment und wurde 1917 zum Leutnant befördert. Noch im selben Jahr erlitt er eine schwere Beinverletzung, die ihn für den Rest seines Lebens zum Hinken zwang. Nach Jahren der Genesung wurde er als Oberleutnant entlassen. Für seine Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse sowie das Militärverdienstkreuz 4. Klasse mit Schwertern.
Aufstieg in der NSDAP

Nach dem Krieg begann Bouhler ein Studium der Philosophie und Germanistik an der Münchner Universität. Gleichzeitig trat er dem Deutschen Schutz- und Trutzbund bei – der damals größten antisemitischen Organisation Deutschlands. Dies war sein erster Schritt in die Welt des Nationalsozialismus.
In den frühen 1920er-Jahren gehörte er zu den ersten Mitgliedern der NSDAP. Er zeigte sich als engagierter Aktivist mit großem Ehrgeiz. 1921 begann er als Redakteur für die Parteizeitung „Völkischer Beobachter“ und stieg schnell in der Partei auf. Bereits 1922 wurde er Stellvertreter von Max Amann, dem Leiter des Parteiapparats.

Nach dem gescheiterten Hitlerputsch 1923 wurde Bouhler 1924 zum Geschäftsführer der Großdeutschen Volksgemeinschaft ernannt. Seine Karriere entwickelte sich rasant. Neun Jahre lang war er Reichsgeschäftsführer der NSDAP und verfasste 1932 eine Biografie über Hitler. Als akribischer Bürokrat erfüllte er seine Aufgaben mit pedantischer Genauigkeit.
1933 trat er der SS bei und wurde in den Reichstag gewählt. Er erhielt den Rang eines Gruppenführers. Neben seiner Rolle als Parteifunktionär war er auch Kulturbeauftragter der NSDAP und Polizeipräsident von München. Doch seine Karriere sollte noch weiter aufsteigen.
Die persönliche Kanzlei Hitlers

In totalitären Systemen gelangen oft skrupellose Karrieristen an die Spitze. Bouhler war ein typisches Beispiel dafür. Die Führungsriege des Dritten Reiches bestand aus gebildeten Menschen, die ihre Fähigkeiten für ein Terrorregime einsetzten.
1934 übernahm Bouhler die Leitung der Kanzlei des Führers. Zudem stand er der Kommission zur Kontrolle der Parteilitertur vor – einer Behörde, die festlegte, welche Bücher für die nationalsozialistische Gesellschaft akzeptabel waren und welche verboten oder vernichtet werden sollten.
Die Kanzlei organisierte Hitlers persönliche Angelegenheiten und analysierte Parteianfragen, die an ihn gerichtet wurden. Bouhler bearbeitete auch Begnadigungsgesuche von NSDAP-Mitgliedern und verwaltete die Korrespondenz, die Hitler von Bürgern erhielt. Viele schrieben, um finanzielle Hilfe zu erbitten, rechtliche Probleme zu lösen oder Glückwünsche zu übermitteln. Besonders auffällig waren zahlreiche Briefe von Frauen, die Hitler ihre Liebe gestanden.
Das Ende

Besondere Bedeutung hatte Bouhlers Rolle bei der Umsetzung des Euthanasieprogramms.
1939 erteilte Hitler den Befehl, Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen zu töten – ein grausames „Säuberungsprogramm“, das die Vorstellung einer „reinen arischen Rasse“ unterstreichen sollte. Im Rahmen dieser Aktion wurden etwa 70.000 Menschen ermordet. Die dabei gewonnenen Erfahrungen nutzten die Nationalsozialisten später für die industrielle Vernichtung in den Konzentrationslagern. Bouhler war einer der Hauptverantwortlichen für dieses Programm – und er führte seine Arbeit mit Stolz aus.
Doch er überschätzte seine Macht.
Im April 1945 befand sich Hitler im Führerbunker. Die Alliierten rückten näher, doch der Diktator hielt weiter an seiner Herrschaft fest. Am 23. April unterstützte Bouhler Hermann Göring bei dessen Versuch, Hitler abzulösen. Göring argumentierte, der Führer könne aus dem belagerten Berlin nicht mehr effektiv regieren. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich Göring, Hans Lammers, Karl Koller und Philipp Bouhler in Süddeutschland auf. Noch am selben Tag ordnete Martin Bormann ihre Verhaftung wegen Hochverrats an. In einem Telegramm an die Gestapo befahl er ihre Hinrichtung – ein Befehl, der jedoch nie vollstreckt wurde. Stattdessen übergaben SS-Wachen die Gefangenen an die Luftwaffe, die sie sofort freiließ.
Das Ende der NS-Führung war unausweichlich. Viele wurden vor dem Nürnberger Tribunal zur Rechenschaft gezogen, einige flohen, andere wurden später von Nazi-Jägern aufgespürt. Manche begingen Selbstmord.
Philipp Bouhler entschied sich für einen anderen Weg. Am 9. Mai 1945 ergab er sich den Amerikanern. Da er und seine Frau Helene Mayer keine Kinder hatten, beschlossen sie gemeinsam, ihrem Leben ein Ende zu setzen. In dem Wissen, dass Bouhler für seine Verbrechen nicht freikommen und hingerichtet werden würde, wählten sie den Freitod. Sie nahmen Zyankali und starben auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau.
Джерела:
- https://encyclopedia.ushmm.org/content/ru/article/euthanasia-program
- https://www.hrono.ru/biograf/bio_b/bouler.php
- https://wwii.space/%D1%84%D0%BE%D1%82%D0%BE-%D0%B3%D0%B5%D1%80%D0%BC%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D1%8F-%D0%B2%D1%8B%D1%81%D1%88%D0%B5%D0%B5-%D1%80%D1%83%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%BE%D0%B4%D1%81%D1%82%D0%B2%D0%BE-%D1%87%D0%B0%D1%81/4/