Vertreter des deutschen Expressionismus: Wer war Franz Marc aus München?

Der Maler und Grafiker jüdischer Herkunft Franz Marc gilt als Schlüsselfigur der deutschen expressionistischen Bewegung. In seinen Gemälden stellte er die Natur als Gegenmittel zum modernen Leben dar. Dabei verlieh er Tieren und der Natur spirituelle Eigenschaften, die für ihn die Wahrheit, Reinheit und Schönheit verkörperten. Daher sind seine Werke von fast meditativer Ehrfurcht durchdrungen. Franz Marc lebte nur 36 Jahre und konnte seine künstlerischen Pläne nicht vollständig verwirklichen, erlangte aber dennoch in kurzer Zeit Weltruhm und Anerkennung. Mehr über diesen bedeutenden Expressionisten lesen Sie weiter auf munichski.eu.

Ausbildung und Leben in Paris

Franz Marc wurde am 8. Februar 1880 in München geboren. Schon als Kind interessierte er sich durch seinen Vater, einen Landschaftsmaler, für die Kunst. Seine Mutter war Hausfrau. Nach der Schule begann Franz wie sein älterer Bruder Paul ein Theologiestudium an der Universität München, das er jedoch aufgrund seines Wehrdienstes unterbrach. Nach der Rückkehr entschied er sich, das Studium aufzugeben und stattdessen eine formale künstlerische Ausbildung an der Münchner Kunstakademie zu beginnen.

In den Jahren 1903 und 1907 lebte Marc in Paris, besuchte Museen und kopierte Werke anderer Künstler – eine beliebte Methode, um verschiedene Techniken zu erlernen. In der französischen Hauptstadt interessierte sich der Münchner für die Werke des Postimpressionisten Vincent van Gogh, eines der einflussreichsten Künstler der westlichen Kunstgeschichte.

Auch bewunderte er die Kunst von Paul Gauguin, dem Begründer des Kubismus Pablo Picasso und vielen Expressionisten. Durch den intensiven Austausch in Paris konnte Marc wertvolle Erfahrungen sammeln und Stile sowie Formen für seine zukünftigen Werke übernehmen.

Eine glanzvolle, aber kurze Karriere

1906 reiste Franz mit seinem Bruder Paul zum Berg Athos und zu weiteren Sehenswürdigkeiten in Griechenland, was viele seiner späteren Werke beeinflusste. 1911 gründete Marc zusammen mit dem russischen Abstrakten Wassily Kandinsky die Künstlergruppe Der Blaue Reiter, benannt nach Kandinskys gleichnamigem Gemälde von 1903. Die Gruppe veröffentlichte auch einen Almanach unter dem gleichen Namen.

Zwischen 1911 und 1912 organisierten Marc und Kandinsky zwei Ausstellungen in München, um ihre künstlerisch-theoretischen Ideen zu präsentieren, gefolgt von Wanderausstellungen in weiteren deutschen und europäischen Städten.

Marc interessierte sich für die Philosophie und östliche Religionen und unterstützte daher Kandinskys Überzeugung, dass Kunst die spirituelle Essenz natürlicher Formen freilegen solle. Beide Maler glaubten, dass sich die mystische Energie am besten durch Abstraktion ausdrücken lässt.

Die Gruppe Der Blaue Reiter stand für den Expressionismus, der das scharfe subjektive Weltbild über das hypertrophierte persönliche „Ich“ darstellte. Die Expressionisten verarbeiteten ihre eigenen Emotionen und Erlebnisse und reagierten auf die Entmenschlichung der Gesellschaft und den Verfall der Spiritualität. Einige Werke des Expressionismus zeichnen sich durch eine tragische Weltsicht aus, andere durch künstlerische Utopien und Abgeschlossenheit.

Marcs Werk „Gelbe Kuh“ (1911)

Die Künstlergruppe Der Blaue Reiter verfolgte das Ziel, Form und Symbolik als Mittel zur Überwindung des als giftig empfundenen Zustands der Welt einzusetzen. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs löste sich die Gruppe jedoch auf.

1912 lernte Marc den französischen Maler Robert Delaunay kennen, der zusammen mit seiner Frau Sonia den Orphismus gründete. Delaunay kombinierte Farbe und Designelemente im futuristischen Stil und trug zur futuristischen Bewegung bei. Von Futurismus und Kubismus inspiriert, begann Marc, Werke mit abstrakten Formen, kräftigen Farben und scharfen Winkeln zu schaffen.

Marcs Karriere war erfolgreich, aber kurz: Der 36-jährige Künstler fiel an der Front. Franz Marc meldete sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs freiwillig. An der Front arbeitete er an Tarnmustern, um Artillerie vor Luftaufklärung zu schützen, und bemalte dazu neun Leinwandbezüge.

Nach der Mobilmachung stellte die deutsche Regierung eine Liste mit Künstlern zusammen, die aus den Kampfgebieten evakuiert werden sollten. Marc stand ebenfalls auf dieser Liste, konnte jedoch nicht gerettet werden und starb am 5. März 1916 durch einen Granatsplitter.

Markanter Stil

Nach frühen Experimenten mit Naturalismus und Realismus entschied sich Marc für eine symbolische Abstraktion. Auch mit Impressionismus und Pointillismus beschäftigte er sich, entschied sich jedoch dagegen, diese Stile in seine Werke zu integrieren. Dies lag auch an seinem besonderen Interesse an Farbe – Marc wünschte sich eine Farbpalette, die dem Rhythmus seiner expressiven Linien folgte.

In vielen seiner expressionistischen Werke stellt Marc Tiere in ihrer natürlichen Umgebung dar, oft in kubistischer Manier. Während seines Aufenthalts in Berlin verbrachte er unzählige Stunden im Zoo und beobachtete Tiere aus allen Perspektiven. Marc malte Tiere ebenso oft wie Van Gogh Selbstporträts oder Monet Seerosen. Für ihn war die Zivilisation ein Zerstörer des menschlichen Bewusstseins für die spirituelle Kraft der Natur. Tiere betrachtete er als reinere Wesen als den Menschen. Neben der Tierwelt stellte er auch primitive Menschen, Kinder und Wahnsinnige dar.

Farbe spielte für Marc eine entscheidende Rolle. Er entwickelte eine Farbtheorie, bei der Blau Männlichkeit und Spiritualität darstellt, Gelb Weiblichkeit und Freude und Rot Gewalt und ernste Ereignisse. Ein weiteres Merkmal von Marcs Kunst ist ihre Einfachheit.

Marcs Philosophie spiegelt sich in seinem Gemälde „Die großen blauen Pferde“ (1911) wider. Die abgerundeten Konturen der drei Pferde schaffen ein harmonisches, organisches Ganzes. Geschwungene Linien betonen das Gefühl von Harmonie, Frieden und Gleichgewicht in der spirituellen Reinheit des Tierreichs. Die Farben – Blau für Mut und Spiritualität, Gelb für Weiblichkeit und Rot für Brutalität – verkörpern Marcs Vorstellung von der verderbten materiellen Welt.

Bis 1913 nahm Marcs Kunst eine zunehmend apokalyptische Richtung an. Diese Veränderung ging auch mit einer veränderten Sicht auf Tiere einher – er begann, sie fast genauso unrein zu sehen wie Menschen. Marc glaubte, der Krieg sei eine reinigende Kraft, die die Welt vom Bösen befreien und die Natur neu beleben würde. In dieser Zeit malte er sein berühmtes Werk „Tirol“ (1914), das in seiner orphischen Farbgebung die rohe Gewalt und zerbrechliche Anmut verschiedener Formen des Tierlebens symbolisiert.

Vertreter der „entarteten Kunst“

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der verstorbene Marc als „entarteter“ Künstler verurteilt. Rund 130 seiner Werke wurden aus den deutschen Museen entfernt. Als „entartet“ galten den Nationalsozialisten alle avantgardistischen und nonkonformen Kunststile, die als Bedrohung für die deutsche Nation angesehen wurden. Zudem war die Verachtung des Regimes für Marc auch durch seine jüdische Abstammung bedingt.

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