Lola Montez (mit bürgerlichem Namen María Dolores Elisabeth Rosanna Gilbert) war eine der schillerndsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, bekannt als irische Tänzerin, Schauspielerin, Kurtisane, Schriftstellerin und Abenteurerin. Ihr Leben war voller Skandale, Romanzen, Reisen und politischem Einfluss, was sie zu einer Legende ihrer Zeit machte. Geboren am 17. Februar 1821, lebte sie nur 39 Jahre, hinterließ aber in Europa und Amerika ihre Spuren und wurde zum Symbol für Freiheit, Leidenschaft und Rebellion. Mehr dazu auf munichski.eu.
Frühe Jahre und Werdegang
Elizabeth Rosanna Gilbert wurde in der irischen Grafschaft Sligo als Tochter eines schottischen Offiziers, Edward Gilbert, und einer irisch-spanischen Adligen, Eliza Oliver, geboren. Ihre Kindheit war alles andere als ruhig: Als das Mädchen zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Indien, wo ihr Vater bald darauf an Cholera starb. Elizabeths Mutter heiratete schnell wieder und schickte ihre Tochter nach England, wo sie in Pensionaten und Mädchenschulen erzogen wurde. Schon in jungen Jahren zeichnete sich Elizabeth durch ihren rebellischen Charakter und ihr unbändiges Wesen aus.
Mit 16 Jahren, um dem von ihrer Mutter aufgezwungenen Schicksal zu entgehen, brannte Elizabeth mit dem Offizier Thomas James durch und heiratete ihn. Das Eheleben in Indien erwies sich für sie als unerträglich: das heiße Klima, die Langeweile und die Einschränkungen brachten sie dazu, eine Zuflucht im Tanz zu suchen. Sie erlernte lokale Tanztechniken, die später zur Grundlage ihres Bühnenimages wurden. Die Ehe zerbrach jedoch schnell aufgrund ihrer außerehelichen Affären, und 1842 kehrte Elizabeth nach Europa zurück und ließ ihre Vergangenheit hinter sich.
Die Geburt der Lola Montez
Im Jahr 1843 beschloss Elizabeth Gilbert, sich neu zu erfinden. Inspiriert von Prosper Mérimées Novelle „Carmen“ und ihrer Liebe zur spanischen Kultur, nahm sie den Künstlernamen Lola Montez an und gab sich als spanische Tänzerin aus Sevilla aus. Ihr Debüt fand am 3. Juni 1843 in London im Her Majesty’s Theatre statt. Ihre sinnlichen Tänze, die Elemente des Flamenco, östliche Bewegungen und Erotik kombinierten, lösten einen Sturm der Begeisterung bei den Männern und Empörung bei den Frauen der Oberschicht aus. Doch bald wurde sie als Irin entlarvt, was Lola zwang, England zu verlassen.
Lola reiste auf den Kontinent, wo ihre Karriere neuen Schwung aufnahm. In Paris wurde sie Teil der Pariser Bohème und verkehrte mit so herausragenden Persönlichkeiten wie Alexandre Dumas (Vater und Sohn), Franz Liszt und Théophile Gautier. Im Jahr 1844 erwies sich ihr Auftritt an der Pariser Oper als Misserfolg, aber das hielt Lola nicht auf. Ihre Romanze mit Alexandre Dujarier, einem einflussreichen Journalisten, belebte ihre Karriere, endete jedoch tragisch: Dujarier starb in einem Duell, als er ihre Ehre verteidigte.
Lola reiste durch Europa und sorgte in Berlin, Warschau, Dresden und anderen Städten für Begeisterung und Skandale. Ihre Auftritte, ebenso wie ihr Verhalten, provozierten oft: Sie rauchte Zigarren, trug freizügige Kostüme und machte kein Hehl aus ihren Liebesabenteuern. Ihr Name wurde zum Synonym für Freiheit, aber auch für Skandal.
Die Affäre mit Ludwig I. und politischer Einfluss

Im Jahr 1846 kam Lola Montez nach München, wo ihr Leben seinen Höhepunkt erreichte. Nachdem ihr ein Engagement vom Leiter des Bayerischen Hoftheaters verweigert worden war, erwirkte sie eine Audienz bei König Ludwig I. Der 60-jährige Monarch, bekannt für seine Liebe zur Kunst und Schönheit, war von der 25-jährigen Tänzerin hingerissen. Bereits drei Tage nach ihrem Treffen, am 10. Oktober 1846, trat Lola auf der Bühne des Münchner Theaters auf.
Ihre Affäre wurde schnell öffentlich und sorgte in der bayerischen Gesellschaft für Empörung. Ludwig I., von Lola fasziniert, machte sie nicht nur zu seiner Mätresse, sondern überhäufte sie auch mit großzügigen Geschenken, darunter Ländereien und den Titel einer Gräfin von Landsfeld im Jahr 1847. Lola erhielt die bayerische Staatsbürgerschaft, was Proteste unter Ministern und der Bevölkerung auslöste. Ihr Einfluss auf den König war so groß, dass sie sich in politische Angelegenheiten einmischte, indem sie liberale Reformen unterstützte, was den konservativen Stimmungen in Bayern widersprach.

Lolas Porträt, geschaffen von Joseph Karl Stieler für die Schönheitengalerie im Schloss Nymphenburg, wurde zum Symbol ihres Charmes. Die legendäre Schönheitengalerie (deu. Schönheitengalerie) befindet sich im Schloss Nymphenburg in München, Deutschland. Es ist eine einzigartige Sammlung von 38 Porträts der schönsten Frauen Münchens, die auf Befehl von König Ludwig I. von Bayern in den Jahren 1827–1850 geschaffen wurde. Die Porträts, hauptsächlich vom Maler Joseph Karl Stieler gemalt, spiegeln das Schönheitsideal jener Zeit wider, unabhängig vom sozialen Status der Frauen: darunter befinden sich sowohl Adlige als auch einfache Bürgerinnen.
Ihr Verhalten jedoch – das öffentliche Rauchen von Zigarren, Spaziergänge mit ihrer Dogge namens Turk, freizügige Kleider – empörte die Münchner. Die Spannungen erreichten 1848 ihren Höhepunkt, als die revolutionären Stimmungen in Europa zunahmen. Lola wurde zur Zielscheibe des Volkszorns: Ihr Haus wurde angegriffen, und die Universität in München wurde wegen Studentenprotesten geschlossen. Im Februar 1848 war Lola gezwungen, Bayern zu verlassen, und Ludwig I., dessen Ausgaben für die Mätresse Empörung hervorgerufen hatten, dankte zugunsten seines Sohnes Maximilian II. ab.
Leben nach Bayern

Nach ihrer Flucht aus München reiste Lola Montez durch Europa und lebte in der Schweiz, Frankreich und England. Im Jahr 1849 kehrte sie nach London zurück, wo sie George Heald heiratete, diese Ehe wurde jedoch für ungültig erklärt aufgrund ihrer früheren Ehe mit James, was zu einer Anklage wegen Bigamie führte. Lola floh erneut, diesmal in die USA, wo sie ein neues Kapitel ihres Lebens aufschlug.
In den Jahren 1851–1853 trat Lola an der Ostküste der USA als Tänzerin und Schauspielerin auf. Ihr Stück „Lola Montez in Bayern“ war ein Erfolg, obwohl es wegen der Übertreibung ihrer Rolle in den europäischen Ereignissen kritisiert wurde. Im Mai 1853 kam sie nach San Francisco, wo ihre Auftritte für Furore sorgten. Dort heiratete sie den Journalisten Patrick Galla, aber auch diese Ehe zerbrach schnell. Lola ließ sich in Grass Valley, Kalifornien, nieder, wo sie kurzzeitig ein ruhiges Leben führte, bevor sie auf die Bühne zurückkehrte.
Im Jahr 1855 reiste Lola nach Australien, wo ihre Auftritte gemischten Erfolg hatten. Nach ihrer Rückkehr nach New York im Jahr 1857 zog sie sich vom Tanzen zurück und begann zu schreiben. Ihr Buch „The Arts of Beauty“ (1858) wurde bei Frauen beliebt, da Lola Ratschläge zur Selbstfürsorge teilte, basierend auf ihren eigenen Erfahrungen. In dieser Zeit wurde sie auch eine aktive Protestantin und engagierte sich in der Wohltätigkeitsarbeit.
Letzte Jahre und Vermächtnis

Bis 1860 verschlechterte sich Lolas Gesundheitszustand aufgrund von Syphilis, die sie sich vermutlich früher zugezogen hatte. Sie starb am 17. Januar 1861 in New York im Alter von 39 Jahren. Sie wurde auf dem Green-Wood Cemetery in Brooklyn unter dem Namen Eliza Gilbert beigesetzt.
Lola Montez hinterließ ein zwiespältiges Erbe. Für die einen war sie ein Symbol für weibliche Freiheit und Charisma, für die anderen die Verkörperung von Skandal und Unmoral. Ihr Leben inspirierte Schriftsteller, Komponisten und Regisseure. So wird angenommen, dass die Figur der Nastassja Filippowna in Fjodor Dostojewskis Roman „Der Idiot“ teilweise auf Lola basiert. Ihre Geschichte diente auch als Grundlage für Filme, insbesondere „Lola Montez“ (1955) von Max Ophüls. Solche Spuren hat diese Frau in Literatur und Kino hinterlassen.
Lola Montez war mehr als nur eine Tänzerin oder Kurtisane. Sie war eine Frau, die gesellschaftliche Normen herausforderte, indem sie sich in jeder neuen Lebensphase neu erfand. Ungeachtet aller möglichen Formate und Traditionen lebte Lola Montez nur nach ihren eigenen Regeln und hatte nicht vor, wie alle anderen zu sein. Man kann dieser mutigen Abenteurerin und Künstlerin unterschiedlich gegenüberstehen. Ihren Einfluss auf die Menschen zu ignorieren, ist jedoch unmöglich.
Das Talent und die unbändige Energie von Lola Montez machten sie zu einer der schillerndsten Figuren des 19. Jahrhunderts, deren Geschichte bis heute die Fantasie beflügelt.
Verwendete Quellen: nevsedoma.com.ua, portrait.gov.au, unofficialroyalty.com